Sonntag, 24. Juni 2007

Pro Graffiti

Erstaunlich: Erstmals las ich, dass in einem Gemeinderat der Antrag für Graffiti eingebracht wurde. An Unterführungen und ähnlichen Bauwerken sollen Flächen ausgewiesen werden, an denen legal gesprüht werden kann. Können soll; warten wir es ab, ob der Vorschlag durchkommt. - Ich fand schon immer, dass an Brückenpfeilern und ähnlichen Bauwerken, die ansonsten bestenfalls triste und grau in der Gegend herumstehen, Graffiti nicht kriminalisiert werden, jedenfalls geduldet werden sollten. (Etwas anderes ist es natürlich an privaten Hausfassaden usw.)

Interessant aber die Begründung, die nicht ästhetisch, sondern utilitaristisch argumentiert: Nicht weil gut gemachte Tags besser aussehen als hässliche, graue Betonwände, sondern um mit legalen Graffiti die illegalen einzudämmen, wird der Vorschlag gemacht.

Tja. Reklame im Stadtgebiet wird doch auch geduldet. Ist die vielleicht schöner? Nein, aber dafür wird bezahlt. Was lernen wir daraus? Vereinfacht gesagt: Wer bezahlt, darf die Stadt hässlich machen. Wer auf eigene Kosten öffentlichen Raum verschönert, kann dagegen als kriminell behandelt werden. Die Polizei bildet für solche Fälle sogar Sonderermittlungseinheiten.

Ich hätte gerne, dass Steuergelder nicht gegen Sprayer ausgegeben werden. Warum stärkt man stattdessen nicht Jugendhäuser und ähnliche Einrichtungen, die in der Lage sind, jugendliche Kreativität zu kanalisieren statt zu kriminalisieren? Nein, hier wird natürlich gespart.

Da steigen böse Verdächte auf, dass es ja eigentlich um was ganz anderes geht: gar nicht um ein "FÜR" im Gemeinwesen. Es geht um ein "GEGEN". Eine schlechte Einstellung bei einem Politiker.

Freitag, 8. Juni 2007

Nett zu bloggen

... Vielleicht komme ich später mal dazu, ein paar kleine Vignetten aufzuzeichnen. Zwischendurch denke ich immer wieder, “das muss ich mir merken, das wäre nett zu bloggen”, aber wenn ich es nicht sofort aufschreibe, ist es weg.
Lila, deren Blog Letters from Rungholt ich gerne lese, hat mir damit sehr aus dem Herzen gesprochen! Gerne würde ich öfter was schreiben. Aber es widerstrebt mir, was Schnelles runterzutippen, nur damit ein neuer Beitrag im Blog steht. Wenn, dann soll es auch Gehalt haben und mir wirklich wichtig sein. Also keine Belanglosigkeiten bitte! Heiligendamm und der dortige Zaun zum Beispiel spukten mir schon mindestens eine Woche lang im Kopf herum, aber ich kam erst gestern am Feiertag dazu, das aufzuschreiben.

Donnerstag, 7. Juni 2007

Damm ja, heilig nein

Ich mag die Attitüde nicht, mit der der alte Herr sich als graue Eminenz aufführt und aus dem Hintergrund Kommentare zur Zeitgeschichte ablässt. Trotzdem hat der Altbundeskanzler (nein, nicht Gerhard Schröder) recht, wenn er in seiner neuen Kolumne „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ zum G8-Gipfel lästert: „Nur noch Medien-Events!“ Ich finde, da hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.
Schon eine pure Äußerlichkeit bestätigt die Richtigkeit: Wenn für eine Sache Millionen im dreistelligen Bereich ausgegeben werden, ist ihr allein deswegen die Aufmerksamkeit der Medien sicher. Gemeldet wurden unterschiedliche Beträge: Mal war von 100, mal von 120 Millionen Euro die Rede, allein der Zaun soll, habe ich bei einer Radiomeldung mal schnell notiert, 12,5 Millionen gekostet haben. 12.500.000 Euro bloß für einen Zaun!!! Es ist ein Skandal.
Und da ist noch keines der brennenden Themen angesprochen, für das die Kritiker des Gipfels demonstrieren. Wundert es jemanden, dass die Bürger politikverdrossen werden, wenn die Politiker sich für so viel Geld aus Steuertöpfen diejenigen Bürger vom Leibe halten, die ihre Meinung äußern wollen?
Um es sehr zurückhaltend zu formulieren: Ich tue mich schwer, es irgendeinem der Politiker zu glauben, die in Heiligendamm gipfeln, dass sie wirklich an der LÖSUNG der Fragen arbeiten, über die dort gesprochen wird. Die haben ganz andere Ziele.

Donnerstag, 17. Mai 2007

...

Die Abk. der Abk. ist Abk.

Samstag, 5. Mai 2007

Qualität im TV

Quote ist der Maßstab für Qualität im Fernsehen.
Jan Böhmermann, 26 Jahre, Showmaster im WDR, bei seinem Besuch bei Harald Schmidt.

Dienstag, 1. Mai 2007

...

Drei sehr gute Beiträge zum Thema Kinderkrippen fand ich in Leserbriefen der ZEIT. Erstens: Die Öffnungszeiten der Krippen gehen derzeit an der beruflichen Wirklichkeit vorbei. (Allein neue Krippen zu eröffnen ist also zu kurz geschossen.) Zweitens: Es wird in der Diskussion zu wenig zwischen den Maßnahmen gegen eine aktuelle Notlage und einem befriedigenden gesellschaftlichen Zustand unterschieden. Drittens, und dies als wörtliches Zitat einer 85-Jährigen: „Nur Mutter sein ist ein brüchiges Glück.“

Montag, 30. April 2007

Zeitläufte

Gestern, am Sonntag, beim Blogsurfen bei hotelmama gefunden:

Catweazle hält eine der in den siebzigern noch weit verbreiteten schwarzen Scheiben hoch und sagt: "Oh! Schwarze Scheiben." Kind lacht und sagt: "Haa! Das sind doch ... sind äh ... na das sind ... wie heißen die noch?"

Wahnsinn! Unsereiner hat in den Siebzigern die Sachen von Oma bestaunt, die vom Anfang des (letzten) Jahrhunderts stammten.

In bloß zehn Jahren werden Kinder wahrscheinlich nichts mehr mit dem Wort "CD" (Wort? Haha!) anfangen können und fragen: Was ist das?

Wer hat mir vor ein paar Tagen noch gesagt (und ich habe zugestimmt), eine Woche vergehe wie im Flug? Was heißt hier eine Woche? Bereits ein Jahr ist hastunichtgesehen vorbei, was ist heutzutage ein Jahr!

Sonntag, 29. April 2007

Tierleben

Es ist eine interessante Zeiterscheinung, dass ein wildes Tier, nur weil es noch klein ist und knuffig aussieht, eine Welle der Begeisterung auszulösen vermag. Eisbär Knut dürfte jedoch schon in ein paar Wochen halb und spätestens in einem Jahr ganz vergessen sein. Weniger die inzwischen zahllosen Berichte in Radio, Fernsehen und Presse (die Dynamik der Medien hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten), mehr noch die Besucherströme, die (nicht nur) im Knut-Zoo dadurch ausgelöst wurden, stellen in meinen Augen ein nachdenkenswertes Phänomen dar.

Nicht schlecht übrigens die Diskussion, die gleichzeitig dadurch in Gang kam: Als wie natur- und damit tiergerecht die Zurschaustellung von wilden Tieren in von Menschenhand angelegten Tierparks denn gelten darf. Es ist gut, wenn wir uns ab und zu Rechenschaft darüber zu geben versuchen, was denn eigentlich der Grund und was das Ziel unserer Handlungen ist. Und somit, wie viel Sinn beides macht. Und last but not least, ob es gut ist. Konkreter: Ob man es nicht anders machen sollte.

Haug von Kuenheim hat in der aktuellen ZEIT einen interessanten Hintergrundbericht vorgelegt. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Hamburger Tierparks (zur Gründungszeit im preußischen Stellingen vor Hamburgs Toren, erst später eingemeindet) zeichnet er das Leben von Carl Hagenbeck nach, der mit diesem Park die Zurschaustellung von wilden Tieren revolutionierte. Es wird nicht verschwiegen, dass Hagenbeck vermittels seiner Tierfänger nicht zimperlich im Umgang mit der Kreatur war, die er ausstellte. Und dass zu dieser Kreatur auch Menschen aus anderen Ländern gehörten. Als Beginn von Hagenbecks „Völkerschauen“ war etwa im Jahre 1874 [!] die Ausstellung von sechs Lappländern (drei Männer, eine Frau, ein vierjähriges Mädchen und ein Baby) eine Sensation. Die Einschätzung von Kuenheims: „An sich ist es nichts Neues, dass Menschen aus fernen Welten in Europa präsentiert werden, sei es auf Jahrmärkten oder an Fürstenhöfen. Aber es ist Hagenbeck, der dieser Sparte des Schaugewerbes neue Dimensionen gibt.“ Hagenbeck untermauert mit seinen Völkerschauen u.a. auch die Indianerromantik und das Klischee des „edlen Wilden“, das durch Karl May bereits im Schwange war. Die Leute strömten nur so zu seinen insgesamt über 50 Schauen.

Kopfschüttelnd nimmt man zur Kenntnis, dass wir in einer Kultur leben, in der unangefochten solche Menschen als Größen unserer Vergangenheit betrachtet werden. Hagenbeck galt als Tierfreund, und einflussreiche Menschen seiner Zeit ergriffen Partei für ihn. Weniger verwunderlich, dass darunter auch Kaiser Wilhelm II. war, der lieber Hagenbecks Tierpark als den Berliner Zoo besuchte. (Auch Herrscher unterliegen den eigenen Gesetzmäßigkeiten ihrer Allüren.) Befremdlicher, dass Fachleute Hagenbeck begeistert feierten und gegen Kritiker verteidigten, darunter der Berliner Mediziner und Anthropologe Rudolf Virchow und Zoodirektor Alfred Brehm, dessen Tierleben ich als Kind begeistert las. Sogar Caruso sang: „Deutschland und Stellingen, das muss man gesehen haben.“

Bisher wusste ich übrigens nicht, dass die Entwicklungen zum Zoo und zum Zirkus eng miteinander (und auch natürlich mit dem Namen Hagenbecks) verzahnt sind. Liegt aber nahe. Der jüngere Bruder Wilhelm Hagenbeck machte sich in der Tierdressur einen Namen, aber auch Carl trat erfolgreich als Dompteur auf.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Archiv

Juli 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 

japans-Links

Ich betone ausdrücklich, dass ich keinen Einfluss auf Gestaltung und Inhalte der bei mir gelinkten Seiten habe. Ich distanziere mich von den Inhalten der gelinkten Seiten bei japans. Diese Erklärung gilt für alle bei japans angebrachten Links und deren Inhalte.

Suche

 

Status

Online seit 595 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Jul, 12:04

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB