Erlesenes

Dienstag, 19. Dezember 2006

Was mir gefällt

Mit mir selbst uneins war ich in den letzten Jahren bei der Entwicklung der gesetzlichen Bestimmungen zum Rauchen. Klar ist Rauchen schädlich, und Nichtraucher dürfen nicht belästigt oder gar gesundheitlich gefährdet werden. Dennoch: Muss denn immer wieder ein GESETZ die Lösung sein? KANN es das überhaupt? Mir war (und ist) unbehaglich. Ich traue einem Gesetz nicht zu, dass es menschliches Miteinander wirklich regelt. Im Zweifelsfall ermöglicht es irgendeinem Korinthenkacker mit Geld, der Zeit hat, seine Umgebung zu bespitzeln, eine Anzeige wegen eines formellen Rechtsverstoßes gegen einen Nachbarn, den er bloß nicht leiden kann.

So gesehen bin ich glatt versucht, alles mögliche andere Missverhalten unter Mitmenschen ebenfalls mit der Strafe des Gesetzes ahnden zu wollen, etwa (um nur ein Beispiel zu nennen) das Hineinfahren in eine Kreuzung bei Stau. Die Polizei soll doch bitte allen, die dem Querverkehr hindernd vor der Nase stehen, ein Strafmandat ausstellen, am besten mit ausführlicher Rechtsbelehrung vor Ort und späterer Vorladung vor den Kadi. Der Stau auf der Kreuzung wird sicher viel schneller behoben sein! (Der Aktenstau auf den Tischen deutscher Gerichte ist seit kurzem kein Problem mehr, seitdem die Akten großer Fische schnell abgearbeitet sind – siehe „Frauesfrau“;-)-Prozess.)

Nach dieser langen (missmutigen) Vorrede nun endlich zu dem, was mir aber gefällt. Ich fand es, journalistisch brillant formuliert, in der ZEIT Nr. 50 vom Do 07.12. auf Seite 9 unter der Überschrift „Und wenn alle rauchen wollen?“ Der Artikel bricht nicht etwa eine Lanze für die Raucher. Er postuliert bloß, dass auch Gesetzgeber saubere Arbeit machen sollten. „Vernachlässigt er sie, wird ihn das Verfassungsgericht daran erinnern.“ Werden Gesetze schlampig erlassen, sind die Gerichte weiterhin mit Alltagssünden beschäftigt. Leute, die m.E. äußerst unehrenhaft Geld einsäckeln, werden zum Ausgleich ganz schnell abgewickelt (und gelten dann als nicht vorbestraft).

Jetzt hab ich das Gefühl, das nochmal erklären zu müssen :-D Also: Ich finde es gut, dass jemand in einer heiklen Frage es wagt, eine Meinung zu äußern, die gegen den momentanen Trend geht. Und das so gut formuliert, dass wirklich etwas klarer wird, als es vorher war. Das ist guter Journalismus: Einen Sachverhalt so darstellen, dass man auf Grundlage dieser Darstellung sich fundiert eine Meinung bilden kann. Also, das find ich gut, richtig gut. Jetzt klar?

Montag, 18. Dezember 2006

Was mich aufregt

Religiöse Leute, die sagen, es gehe ihnen um die Erlösung der Welt, gehen mit Härte gegen notleidende Menschen vor. Ich beziehe mich auf „Frau Feuerdonner zieht in die Schlacht“, ZEIT Nr. 50 vom Do 07.12., Seite 24+25. Nicht genug, dass der republikanische Senator Bill Napoli in Süddakota dermaßen böse Bestrafungen nach Abtreibung durchdrücken will. Selbst bei Abtreibung nach Vergewaltigung, Inzest u.a. sollen seiner Ansicht nach Frauen hart bestraft werden. Nein, auch ein sogenannter evangelikaler Pastor mischt sich ein. Nun lässt sich, auch wenn man diese Ansichten nicht teilt, der Gedankengang immerhin noch nachvollziehen, dass gläubige Menschen zumeist Vertreter der Meinung sind, Abtreibung sei Sünde und deswegen wögen selbst schwere Probleme der diesseitigen Welt weniger schwer als der Verlust der ewigen Seligkeit in der jenseitigen – es ist immerhin in sich schlüssig. Dass dieser Mensch in South Dakota jedoch ausgerechnet eine Adoptionsagentur als Lösung für Kinder aus Vergewaltigungen anstrebt! Es soll genau in diesem Bundesstatt der USA bis in die 80er Jahre hinein Zwangsadoptionen von Indianerkindern durch weiße Familien gegeben haben! (Etwas klarer wird die Lage jedoch, wenn man weiterliest, dass eben jener Gläubige einen gewissen deutschen Führer des letzten Jahrhunderts ziemlich gut findet. Extrem gläubig, dieser Pastor, nicht wahr?)

Und dann eine Gesetzeslage wie die, dass in Süddakota Apotheker das Recht haben, ein Rezept für ein Verhütungsmittel nicht einzulösen – aus Gewissensgründen! Hängt wohl auch mit dem Gläubigsein zusammen. Fein, wie „Gläubige“ sich um das Seelenheil ihrer Mitmenschen kümmern! Das eigene Gewissen als Machtmittel gegen andere.

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