Samstag, 20. Januar 2007

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"Machen wir halt eine Revolution, damit a Rua is." - Kabarettist Bruno Jonas im ZEIT-Interview über Stoibers Rückzug.

Dienstag, 16. Januar 2007

Nasal

Die näselnde Stimme an der Losverkäuferbude auf dem Messplatz: so unsicher, dass sie sich ans Mikrofon anlehnen musste.

Sonntag, 14. Januar 2007

Nur halb so wild?

Wer meint, „alles halb so wild“ sei die richtige Beschwichtigungsmethode, setzt auf das falsche Pferd. Das neue Jahr ist wie ein Edelhengst, der eingeritten werden muss; er ist noch scheu, dabei aber stark und geht auch schon mal mit einem durch. Aber er ist die Zukunft, er ist das Leben, er besitzt Energie und kann etwas bewegen.

Donnerstag, 11. Januar 2007

Politisches Reden (5)

Politisches Reden sinnt auf die Unterstützung der Psychologie. Das ist verdeckte Ausdruckweise und meint im Klartext: pR arbeitet mit Tricks. Ein sehr alter Trick ist das Inszenieren des Von-oben-herab-Redens. Man sieht das manchmal in Krimis, wenn der Ältere den jüngeren Partner einfach mit Vornamen und „Du“ anredet. Das schafft hierarchisches Gefälle und ermöglicht es dem Älteren, der seine Vorherrschaft aufrechterhalten will, sich so manches herauszunehmen. Aufgrund des Gefälles ist manche Gegenwehr des Jüngeren bereits im Keim erstickt.

Mittwoch, 10. Januar 2007

Politisches Reden (4)

Wer reaktionsschnell und gut zu Fuß unter der Nase ist, hat Vorteile beim „politischen Reden“. Es gibt Leute, die stoßen Worte wie Maschinengewehrsalven aus. Man muss selber (a) reaktionsschnell und schlagfertig sein, und (b) es verstehen, sehr flink in Deckung zu gehen, um bei solch einem Gegner zu bestehen.

Dienstag, 9. Januar 2007

Politisches Reden (3)

Der Ton macht die Musik. Diese Regel wird allgemein für den täglichen menschlichen Umgang zitiert.

Zu Recht. Denn für das politische Reden (der Einfachheit halber werde ich es künftig alternativ pR – am Satzanfang entsprechend PR – nennen) zählt diese Regel nicht und gleichzeitig eben doch. Sie zählt nicht: Wer „politisch“ redet, findet es alles andere als unanständig, in vorwurfsvollem, aggressivem Ton zu reden. Im Gegenteil: Je härter die Stimme, je angriffslustiger der Ton, desto angemessener. Eben viel Feind, viel Ehr’. Wer politisch redet, nimmt den Verlust an gutem Ton im Umgang miteinander in Kauf.

Genau auf diesen „Ehrenkodex“ zielt die zweite Bedeutung: Der Ton macht die Musik zählt beim politischen Reden eben doch, nur im umgekehrten Sinn. Da es beim pR ja nicht auf soziales Miteinander, sondern auf die Demonstration von Stärke ankommt, zählt gerade die Fähigkeit, möglichst viel Härte in die Kommunikation zu legen. „Guter Ton“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung – gerade wie in Diktaturen, die ja viel von Freiheit und Menschenrechten faseln. Ein guter Ton im Sinne des pR ist eine möglichst harte Intonation. Wer politisch redet, nimmt den Verlust an gutem Ton im Umgang miteinander nicht nur in Kauf, sondern strebt ihn regelrecht an, wann immer er eigenen Nutzen daraus ziehen kann.

Eine besondere Spielart und Finesse dieser Art des pR: In der beschriebenen Tonart und Inszenierung „bitte“ zu sagen. Unwiderstehlich!

Samstag, 6. Januar 2007

Feiertage

Beklommenes Gefühl, wie immer, wenn etwas vorbei ist und es eine irgendwie komische Form des Loslassens gibt. Abschied vom alten Jahr, was ist das bitte genau?

Eindruck, dass man keinesfalls alles in den vielen freien Tagen unterbringen konnte, was man sich vorgenommen hat. Man ärgert sich. Hat man sich doch so vehement gegen die falschen Gefühle der „Weihnachtszeit“ gestemmt. Bei so viel Wasser um einen herum ist es halt schon eine Leistung, wenn man nur nasse Füße bekommt.

Da wird der Alltag irgendwie zum heilsamen Pflaster, der die erlösende „Normalität“ bringt und die Möglichkeit, sich vor dem Zugriff mütterlicher Erwartungen hinter Verpflichtungen zu verstecken.

Das einzige, was wirklich bleibt: Einige wenige Stunden, die man sich zu zweit gerettet hat, in denen man wirklich mehr Zeit füreinander hatte als in den übrigen 50 ½ Wochen des Jahres. Doch halt! Da tut man einigen anderen Zeiten Unrecht. Da war noch der Urlaub, der Kurzurlaub und so mancher weitere Tag, der mit demselben Recht aus der Wolkendecke des vergangenen Jahres herausragt. Zeiten, die sich mindestens ebenso wohltuend in Gedächtnis und Seele eingegraben haben. Na bitte, geht doch! Schade für das Übermaß an Schwulst rund um Weihnachten. Es ist nicht schön, so sehr gegen falsche Erwartungen ankämpfen zu müssen. Schönere Ergebnisse gibt es, wenn nicht 90 Prozent der Umwelt dermaßen bedeutungsvoll tut.

Oder sagen wir es andersrum: Nach so viel übermäßiger Bedeutung rund um Weihnachten und Jahreswechsel gibt es ein besonders rauhes* Erwachen, wenn man in der ersten Januarwoche mit dem Fahrrad unterwegs ist. Wer musste da seine zerbrochenen Träume des vergangenen Jahres unbedingt mitten auf dem Fahrradweg hinterlassen?

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*Anmerkung zur Schreibweise von „rauh“: Ich weiß, dass die verdammte neue „Recht“schreibung das ohne „h“ lesen will. Aber für mein Sprachgefühl ist das Wort nur mit „h“ so richtig reibeisenmäßig, also echt „rauh“. (Die "richtige" Schreibweise assoziiere ich eher mit "lau".)

Montag, 1. Januar 2007

Politisches Reden (2)

Eine wirksame Waffe politischer Streitkultur besteht darin, dass man streitet, ohne es formal zu tun. Ein Streit ist i.a.R. davon gekennzeichnet, dass zwei oder mehr Gegner einander widersprechende Aussagen machen und sich dabei argumentativ gegenseitig zu übertrumpfen suchen. In den allermeisten Fällen ist Emotion dabei im Spiel, die sich bis zu Wutausbrüchen, in schlimmen Fällen auch zur Gewaltanwendung (Prügelei o.ä.) steigern kann. Dass Emotionen evident sind, zeigen politische Debatten, in denen Argumente eigentlich die schärferen Waffen sind, Emotionen trotzdem häufig vorkommen.

Wie im Kursteil I beschrieben, ist es wirkungsvoll, wenn du gleichzeitig eine Sache und ihr Gegenteil behauptest (Doppelzüngigkeit ist eine schöne Beschreibung dafür), weil du dann bei jedwedem Vorwurf entgegnen kannst, du habest doch das Gegenteil gesagt!

Hier nun tritt das gekonnte nicht-Streiten in Aktion. Du machst deine Behauptung des Nichtbehauptet-Habens nicht etwa im aufgeregten, sondern im ruhigen Ton. Vielleicht fällt dir dabei sogar eine Liebenswürdigkeit an den Meinungsgegner ein, die du wie zufällig einflichtst. Diesem, der schon zum Hochsprung der Antwort „Doch, das haben Sie gesagt!“ (mindestens eine Quint über dem normalen Umgangston) und dem Flicflac eines wortwörtlichen Zitates deiner Aussage angesetzt hat, bleibt die Luft weg.

Er hat eigentlich nur noch zwei Chancen, die beide keine sind: Entweder er ist so verwirrt, dass er gar nicht mehr zielgerichtet reden oder handeln kann – er wird irgendeine sinnlose Übersprungshandlung zeigen. Oder er hat schon zum Sprung des offenen Vorwurfs angesetzt und kann nicht mehr zurück: Er wird damit im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft hängen, was die unweigerliche Folge eines deftigen auf-die-Nase-Fallens nach sich zieht. 200 Punkte für dich!

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