Kino & Film

Dienstag, 13. März 2007

Spatz

Kam die letzte Zeit wenig zum Schreiben. Heute muss ganz schnell was rein, denn ich habe „La vie en rose“ gesehen. Vielleicht schaffe ich es die nächsten Tage, mehr über diesen sehenswerten Film zu sagen. Heute nur so viel: Aus filmischer Sicht ist er einer der besten, die ich bisher sah.

Meine Erwartung war, dass es halt der Versuch ist, das Leben der berühmten Chansonette nachzuzeichnen. Ich stellte mich darauf ein, dass es in etwa „ganz nett“ werden würde. Zumal ich zwar einen Riesenrespekt vor dieser Sängerin habe, aber trotzdem nicht ein direkter Fan von ihr bin. Und Beweihräucherungen habe ich nicht so gern.

Es wird aber mit filmischen Mitteln, die diesen Namen in vollem Maße verdienen, auf überzeugende Weise das bewegte Leben der Edith Piaf geschildert. So ist „La vie en rose“ ein Denkmal für das Leben der wohl bekanntesten Französin und gleichzeitig ein sehr, sehr guter Film.

Dienstag, 20. Februar 2007

Muxmäuschenstill

Bei diesem Typ stellen sich einem selbst die feinen Härchen auf dem Unterarm auf, wenn er mit sanfter Stimme das Wort „helfen“ ausspricht. „Ich bin ein Teil der Gesellschaft, in der wir unsere Ideale verloren haben. Ich bin dafür da, dass die Menschen die Kraft wiederfinden, für ihr Handeln Verantwortung zu übernehmen.“ – Ich hatte vor zwei bis drei Jahren den Film „Muxmäuschenstill“ von Markus Mittermaier im Kino verpasst. Jetzt kam er im Fernsehen.

Die Hauptperson Mux arbeitet mit Denunziation und kanzelt einen Mitarbeiter ab, der das auch so nennt; Mux korrigiert zu „Information“ und nennt die Denunzianten, die ihn mit Hinweisen versorgen, „Informanten“. Er benutzt illegale Mittel wie Abhören und Filmen und setzt diese zur Erpressung ein usw. usf. Ohne den geringsten Skrupel, dagegen mit großer Geste und pädagogischer Verve.

Dabei redet Mux von positiven Werten: „Kraft wiederfinden“, „Verantwortung übernehmen“, „dass es Deutschland gut tut“. Keiner stellt sich ihm entgegen.

Sehr gutes Drehbuch, ausgezeichnete Dialoge, beängstigend authentische Schauspieler. Nicht, dass der Streifen keine Schwächen hätte. Aber, wie ein Rezensent schrieb: Er bringt einen zum Denken. Der Film hat zu Recht Furore gemacht.

Eine Komödie ist er übrigens nicht, auch wenn die Macher ihn so nennen; hier irren sie. Eher ist er eine Groteske, mindestens eine Parodie: Man setzt an zu lachen, doch dann bleibt es einem im Halse stecken.

Mittwoch, 31. Januar 2007

Mutig und alles andere als brav

Dani Levy an seine Kritiker:
„... den lächerlichen und bösartigen Apparat der Nazis zynisch auf die Schippe zu nehmen ... wäre mutlos und brav. Ich lese aus diesem Bedürfnis nach mehr Bösartigkeit den unbedingten Wunsch nach distanzierter Sicherheit.“

Habe am Montag Dani Levys „Mein Führer“ gesehen. Dem Film wird entgegengehalten, dass man über Hitler keine Komödie machen dürfe. Dieser Meinung kann ich nicht folgen. Man kommt dem Phänomen und ihren Wurzeln nicht auf die Spur, wenn Hitler nur als der große Dämon dargestellt wird. Ist er etwa aus der Hölle heraufgestiegen? Es war auch kein böser Alien aus dem All, der jene schrecklichen Taten verübte, sondern ein Mensch und viele Menschen in dem Apparat um ihn herum und sehr viele Menschen in diesem Land. Horribile dictu: Jawohl, es sind Menschen, die derart Furchtbares tun können.
Wollen wir Deutsche jeder auf seine Weise und mit seinen Mitteln verhindern, dass jemals wieder Vergleichbares durch uns geschieht, dann finde ich hilfreich, was eine alte Jüdin mir sagte, die mich bei einem Besuch in Israel als Gast in ihrem Kibbuz aufnahm: „Wehret den Anfängen!“
Mein Eindruck: Ein Film wie Dani Levys „Mein Führer“ kann helfen, den Anfängen zu wehren. Er ist ein guter Film mit einem guten Drehbuch, guter Regie, guten schauspielerischen Leistungen und einer guten Montage.
Was das Genre angeht: Obwohl ich den Film sehr ernsthaft anschaute, habe ich mehrere Male laut gelacht. Ist es nicht gerade der Humor, der hilft, ganz ernsthaft zu sein? Übrigens bedeutet meint das Wort „Witz“ dem Ursprung nach nicht einen oberflächlichen Scherz, sondern „Verstand, Klugheit“. Dani Levys Werk ist klug und in diesem Sinne voller Witz.
Schaut man andere Levy-Filme an und Interviews, die er zu „Mein Führer“ gab, bekommt man bestätigt: Der Mann ist nicht nur ein guter Filmemacher, sondern einfach ein kluger Mensch. Man lese auch seinen offenen Brief an die Kritiker des letzten Films. Ungewöhnlich! Aber auch damit punktet er. Es mutet schon komisch an, dass deutsche Kritiker einem deutschen Juden sagen wollen, wie man Hitler in einem Filmwerk richtig darzustellen habe.
Wäre dieser Film nicht gemacht worden, würde er fehlen in der Filmlandschaft generell und in der deutschen im Besonderen.

Samstag, 30. Dezember 2006

Babel

Kinofilm "Babel" von Alejandro Gonzáles Iñárritu, Buch Guillermo Arriaga (ich meine im Abspann aber daneben auch den Namen des Regisseurs gelesen zu haben)

Episodenfilm. Um es etwas plakativ zu sagen: großes, sehr großes Erzählkino. Sicher wird es Leute geben, die den Film mit seinen 144 Minuten langatmig finden, und er hat tatsächlich Szenen, die nach meinem Geschmack kürzer sein könnten, zB eine in Tokio, wo zwei Freundinnen ein paar junge Kerle aufreißen und in die Disco gehen: gefühlte 10 Minuten Disco-Szene. Gerade in den langen Einstellungen aber auch die Stärke des Filmes: Er erzählt. ERZÄHLT!

Eine Beschreibung charakterisiert den Film als drei exemplarische Geschichten darüber, wie Menschen leben, sich aber wegen kleiner Missverständnisse fremd sind. Lässt sich drüber nachdenken.

Jedenfalls sehr sehenswert!

Samstag, 25. November 2006

Filmbesprechung

Väter tun so etwas nicht
Internationaler Wettbewerb: „Söhne“ von Erik Richter Strand, Norwegen


Ein Bademeister, allseits als hilfsbereit und zupackend bekannt, beobachtet einen mutmaßlichen Kinderschänder, der sich mit halbwüchsigen Jungs abgibt, und kann ihn per Digicam tatsächlich dingfest machen. Alles scheint klar, handfeste Beweise liegen in Lars’ Hand.

Aber nichts ist in dem Film so, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Der Zuschauer sieht auf einmal Lars dem Opfer Tim das Sweatshirt über den Kopf ziehen und ihm ein Geldbündel in die Hand drücken wie zuvor der Päderast. Als Tim nach einer Party mit Freunden wegen seines heillosen Katers nicht nach Hause will, bietet Lars ihm sogar über Nacht Unterschlupf. Nun ist Lars’ Bett besetzt, dafür lädt ihn die nette Nachbarin zu sich ein. Aber warum liegt Lars angezogen und wie ein Stock neben ihr?

Was wie eine beklemmende Psychostudie beginnt und zu einem verwirrenden Vexierspiel mutiert, entwickelt sich im letzten Drittel zu einem rasanten Krimi. Der Zuschauer kann Täter und Opfer immer schwerer unterscheiden, die Helfer sind auf der Flucht vor der Polizei. Trotz des offenen Endes wird eine mögliche Lösung angedeutet: Wer von außerhalb urteilt, liegt vielleicht daneben. Nur Betroffene selber können ihre Sache in die Hand nehmen. Gute Darsteller und Regie, überzeugende Kamera, außergewöhnliches Drehbuch. Ein Spielfilm, der zum Thema Missbrauch von Minderjährigen Wichtiges zu sagen versteht.

Filmbesprechung

Trauma oder Traum?
Internationaler Wettbewerb: Eine merkwürdige Gesellschaft


Joel ist Psychotherapeut und betreut eine kleine Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Störungen. Der Helfer, nicht frei vom Helfersyndrom, leidet jedoch selber unter Schlaflosigkeit: Weil seine Frau ihn mit einer anderen in flagranti erwischte, hat sie ihn Hals über Kopf verlassen. Nun sitzt er nachts im Wohnzimmer und bestraft sich selbst, indem er wieder und wieder die letzte Nachricht vom Anrufbeantworter abhört, die sie ihm hinterließ. So lange, bis seine neunjährige Tochter aus ihrem Zimmer kommt und fragt: „Ist Mama da? Ich habe ihre Stimme gehört.“

Seine persönliche Schieflage spitzt sich zu, als seine Patienten ihn immer mehr ins Privatleben hinein verfolgen. Sophie droht sich das Leben zu nehmen, benachrichtigt ihn zuvor aber telefonisch genau in dem Moment, als er mit seinem Kind eine kritische Situation durchlebt und eigentlich zuhause gebraucht wird. Der cholerische Victor dagegen meint schließlich seinen Verfolger ausfindig gemacht zu haben und setzt dem das Messer an die Kehle. Wahrheit und Lüge werden zum immer bedrängenderen Thema.

Der Film hätte nicht einen Psychiater zum Protagonisten, wenn der Showdown sich dies nicht zunutze machte. Ein schwerer Unfall spielt eine Rolle, beste Voraussetzung für posttraumatischen Stress. Aus rätselhaftem Grund scheinen die drei Patienten unversehens gemeinsame Sache gegen ihren Therapeuten zu machen und stehen wie in einem Alptraum drohend vor Joels Bett. Joel wird die Pistole auf die Brust gesetzt.

Seelenkino mit dem Hang zur Verselbständigung. Reife Leistung!

Filmbesprechung

Vorhang zu, alle Fragen offen
Internationaler Wettbewerb: Blut ist dicker als Wasser


Pétur ist kein Mann großer Worte. Eher ergreift er die Initiative und schenkt seiner Frau Asta und sich eine Reise in die Dominikanische Republik, bevor das zweite Kind ankommt. Eine glückliche Familie – in die durch einen Zufall das Misstrauen einbricht wie ein Tornado, bei dem der Ton abgestellt ist.

Ein routinemäßiger Bluttest beim zehnjährigen Sohn ergibt, dass Örn nicht Péturs Sohn sein kann. Urplötzlich treten misstrauische Blicke an die Stelle des Miteinanderredens. Das Tischtuch ist zerschnitten, der Vater zieht ins Hotel. Bemerkenswert, wie Árni Ólafur Ásgeirsson ein Kino des Schweigens und der distanzierten Augenkontakte inszeniert. Asta erklärt sich nicht und schwankt zwischen Verzweiflungsausbrüchen und Scheidungsdrohung mit Versorgungsanspruch. Pétur stürzt sich in eine hoffnungslose Liebesaffaire, die nur weitere Tränen gebiert. Schwester Lilja verfällt in offensichtlich alte familiäre Verhaltensmuster.

Der einzige, mit dem Pétur noch reden kann, ist sein Schwager in spe. Doch sind diese Unterhaltungen mehr der Abklatsch einer Männerfreundschaft und gefährden die Beziehung des Schwagers zu Lilja. Als schließlich doch Hochzeit gefeiert wird, scheint auch Bewegung in die Front zwischen Pétur und Asta zu kommen. Er übernachtet wieder zuhause, die Blicke werden zugänglicher.

Doch ist der Keim des Schweigens gepflanzt. Fast käme es zu einer normalen Unterhaltung zwischen Vater und Sohn. Aber Örn stockt und seine einzige Reaktion lautet: „Ach, nichts“. Keine Frage ist beantwortet; es wird nie mehr sein, wie es mal war. Schwer verdaulicher Film, hochverdichtetes Kino und große Kunst, selbst der Darsteller des kleinen Örn spielt beängstigend intensiv.

Mittwoch, 22. November 2006

Kinderfilme

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Kino par excellence: Villa Henriette

„Marie, willst du mit mir gehen?“ Die Zwölfjährige hat derzeit andere Sorgen, aber dann sagt sie zu Konrad doch ja. Einen Tag später hat sie einen zweiten Verehrer am Hals – den Nachbarsjungen Stefan, der ihr seine Katze verkauft. Zwar geht es in „Villa Henriette“ nur nebenbei ums Verlieben und Küssen, das aber ebenso konsequent wie filmreif und – Erziehungsberechtigte seien beruhigt – völlig dem Alter von Minderjährigen angemessen.

Die Nebenhandlung beweist, wie lebensnah und gleichzeitig leinwandgerecht die Geschichte vom Haus, das nicht verkauft werden darf, auf Zelluloid gebracht wurde. Der coolen Marie, die das alte Gemäuer so ins Herz geschlossen hat, dass sie es reden hört und mit ihm redet, stehen bei diesem Unterfangen allerlei Erwachsene im Wege. Eigentlich ist sie ganz auf sich allein gestellt – doch nein, Konrad und Stefan helfen ihr ja. Aber bei denen nervt, dass sie dauernd fordern, Marie solle sich für einen von ihnen entscheiden.

Der preisgekrönte Film nach dem gleichnamigen Kinderbuch der bekannten Christine Nöstlinger (auch in einer Nebenrolle im Film) hat lauter illustre Namen des deutschsprachigen Films vorzuweisen: Drehbuch Milan Dor („Malambo“, 1984 Großer Preis beim Filmfestival Mannheim), Regie Peter Payer („Untersuchung an Mädeln“, Publikumspreis 1999 in Mannheim), Nina Petri (die schon mit Tom Tykwer, Doris Dörrie und Sönke Wortmann drehte) als Maries Mutter, Cornelia Froboess als Oma. Nina Hagen leiht dem Haus ihre Stimme.

Trotz dieser Besetzung wäre „hochkarätig“ nur ein vordergründig angemessener Ausdruck, vielmehr ist der Film in vollem Umfang des Wortes GUT; eine Steigerung ist nämlich schwer vorstellbar. In erster Linie Kinderfilm, gibt „Villa Henriette“ Kino par excellence: lebensnah und voller Fantasie, klug und unterhaltsam. Trotzdem witzig und – kaum zu glauben, aber wahr – dann auch noch pädagogisch wertvoll! Bei alldem das Schönste: Für die Kinderrollen wurden Laien gecastet, und die spielen einfach toll, allen voran Hannah Tiefengraber als Marie. Im Kinoverleih war der Film schon letztes Jahr, da hilft dann wohl nur noch, die DVD zu kaufen.



Schlimmer als die Väter erlauben: Mein Name ist Eugen

Endlich mal ein Kinderfilm, in dem nicht ein nettes Mädchen, sondern vier freche Buben die ungekrönten Könige sind. Eigentlich sind sie aber mehr auf der Suche nach Fritzli, dem legendären Berner König der Lausbuben, der jetzt in Zürich wohnt. Eugen, Wrigley, Eduard und Bäschteli schwören einander, „ein einig Volk von Bengeln“ zu sein, „schlimmer als die Väter erlauben“.

Ihre hanebüchenen Streiche bzw. deren Folgen zwingen sie auf die Flucht, erst in den Keller, dann über die ungeplante Zwischenstation des Pfadfinderlagers (schweizerisch Pfadilager) bis nach Zürich. Dort soll Fritzli ihnen helfen, den sagenhaften Schatz vom Titicacasee zu bergen, mit dem sie einen schlimmen Schaden am heimischen Wohnhaus finanzieren wollen.

Der Film trifft die Balance zwischen der Subversivität der Buben, einer überdrehten Darstellung von Erwachsenen und einem durch pointiert eingesetzte erzählerische Mittel über alles gezogenen Firnis der Ironie. Im Grunde ist er Schelmengeschichte und Slapstickkomödie in einem und versteht es immer wieder, sich heimlich über die verklärte Schweizer Welt der 50er Jahre lustig zu machen. Dazu trägt auch der absolut unerwartete Soundtrack bei: U.a. singt Vico Torriani seinen Schlager „In der Schweiz“ von 1955 – und die HipHop-gewöhnten Kids im Kinosaal haben nicht protestiert!

In der Schweiz hat Mein Name ist Eugen seit 2005 einen regelrechten Hype ausgelöst (www.eugen-film.ch), entstand er doch nach dem Kinderbuchklassiker des Pfarrers Klaus Schädelin von 1955 - nach Heidi von Johanna Spyri das meistverkaufte Buch in der Schweiz. Der Stoff war vor der Veröffentlichung als Buch nur als Fortsetzungsserie fürs Pfadfinderheft (Pfadiheft) «Hallo» gedacht. Der Film gewann mehrere Preise, u.a. im März 2006 den “Grand prix de Montréal” durch die Kinderjury. - Auch die anwesenden Kinder gaben ihm Bestnoten mit ihrer gespannten Aufmerksamkeit. Sollte man sich merken, er kommt am 28. Dezember in die deutschen Kinos.



Zarter Schleier mit Realismus: Zaïna, die Pferdekönigin

Geht man davon aus, dass Kinder sich mit der Hauptperson noch direkter identifizieren als erwachsene Zuschauer, dann ist dieser Film eindeutig im Abenteuergenre angesiedelt. Die zwölfjährige Zaïna, die bisher in der Stadt lebte, muss nach dem Tod ihrer Mutter zum Stamm des Vaters zurück und geht auf eine anstrengende und gefährliche Reise quer durchs marokkanische Atlasgebirge.

Coming-of-age-Story, Roadmovie, Mädchen-Pferde-Erzählung, Familiendrama, Abenteuergeschichte, Märchen aus Tausendundeiner Nacht – Regisseur Bourlem Guerdjou nimmt sich etwas zu viel auf einmal vor, wodurch sein Werk Längen be-kommt und die Evidenz hier und da dünn wird. So entsteht kein Sprungtuch, das großer Fallhöhe standhält, doch wird ein zarter Schleier gewoben, durch den hindurch das Resümee der Protagonistin realistische Konturen erhält: „Ich gewinne das Recht, zu leben, wo ich will und mit wem ich will.“ Ein guter Schuss Gesellschaftskritik also an dem Land, in dem der Film spielt, und nicht nur an dieser Stelle. Das funktioniert sogar, und gleichzeitig bleibt Zaïna, die Pferdekönigin ein schöner Film für die ganze Familie, wild, unterhaltsam, wertvoll. Die Kinder im vollbesetzten Stadthauskino waren noch keine zwölf und haben mit ihrer Heldin, schön gespielt von Aziza Nadir, gespannt mitgezittert – sogar die Buben.

Sonntag, 19. November 2006

Filmbesprechung

Ikarus lässt grüßen
Internationaler Wettbewerb: Die Liebenden von Marona, von Izabella Cyińska, Polen


Die einstmals polnische Kulturministerin und erfolgreiche Theaterregisseurin Izabella Cyińska weiß genau, wie sie die versponnene Landschaft eines Sees, Gesicht und Kleidung einer Frau nebst zwei rivalisierenden Männern in Bilder umsetzen kann, die Sog entwickeln. Grenzenlosen ästhetischen Genuss erlebt, wem die Bildwelt eines Films alles ist. Die Kamera (Marcin Koszalka) glänzt mit mehr als perfektem Bildaufbau.

So bedeutungsschwanger die Einstellungen bis in Ecken und Hintergrund hinein auch sind – spätestens in der zweiten Hälfte verfängt sich die Geschichte in dem zarten Gespinst der Kameraführung ebenso wie der todkranke Janek und sein Rivale Arek in den Haaren der unwirklich schönen Ola. Daraus erwächst nicht das Leben einer tragfähigen Handlung, sondern ein nahezu banaler, wenngleich kunstvoll überhöhter Tod.

In der letzten Stunde Janeks wird auch die opferbereite Ola in die Rolle der Nebenbuhlerin gedrängt: Janeks Ehefrau versperrt mit Kind und vorwurfsvollem Gesicht der Geliebten ihres Mannes den Blick auf den Sterbenden. Da nützt Ola auch der Rückzug nichts mehr: Draußen wartet der zuvor sehnsüchtig um sie werbende Arek nur, um ihr vor der Nase davonzufahren – Pendant zur Anfangseinstellung, wo er, Ikarus gleich, wie auf Schwingen seines Motorrades ins Bild hineinschwebte.

Remake des gleichnamigen Films (1966) von Jerzy Zarzycki, basierend auf dem Roman des bedeutenden polnischen Schriftstellers Jaroslaw Iwaszkiewicz (1894-1980). Hauptdarstellerin Karolina Gruszka ist auch im neuesten Film Inland Empire von David Lynch (Kinostart 2007) zu sehen.

Originaltitel Kochankowie z Marony
Spielfilm Farbe 104 Minuten
Buch Izabella Cyińska, Cezary Harasimowicz
Kamera Marcin Kosalka
Schnitt Anna Wagner
Musik Jerzy Satanowski
Darsteller Karolina Gruszka, Lukasz Simlat, Krzysztof Zawadski, Danuta Stenka, Janusz Michalowski

Samstag, 18. November 2006

Filmbesprechung

Persönliche Ruhmesglocke
Internationale Entdeckungen: „Völlig persönlich“ von Nedžad Begović


Ungewöhnliche Projekte erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, aber das Leben ordnet sich dem Anspruch eines Künstlers nicht immer unter. Umgekehrt bekommt Filmautor Nedžad Begović, der ein seinem Leben angemessenes Meisterwerk verfassen will, aus seiner Umgebung unterschiedliche Signale. Seine Frau und die beiden Töchter assistieren hingebungsvoll, die Freunde finden lakonisch: „Das ist Schrott!“ Was soll ein geplagter Filmautor da tun? Vielleicht sich selber die Ruhmesglocke läuten.

Wie schon viele Künstler vor ihm macht Begović den Schaffensprozess mit all seinen inneren und äußeren Hindernissen zum Thema. Vom Kriegsopfer im Balkankrieg bis zur Abweisung seiner Einreise durch US-Behörden wegen Einstufung als verdächtiges Subjekt wird an Themen dabei nichts ausgelassen, öffentlich verordnete Verehrung des Staatsoberhaupts zu Titos Zeiten, Milchflaschen auf Sarajevos Straßen und die eigene Hochzeit inbegriffen.

Begović muss seinen Film immer wieder neu beginnen, zu vielfältig sind die Anforderungen. Heraus kommt ein Werk, so bunt wie der Flickenteppich eines Lebens, ironisch gebrochen, mit einer gänzlich eigenen Sicht der Dinge. Ein Film, wie gemacht für ein kritisches, aufmerksames Festivalpublikum. Wer ihn nicht sieht, hat was verpasst.

Originaltitel Sasvim lično
Doku-Fiction, Farbe 78 Minuten
Deutsche Premiere
Buch+Kamera Nedžad Begović
Schnitt Almir Mesković, Ismet Nuno Arnautalić
Musik Enes Zlatar
Darsteller Nedžad Begović, Amina Begović, Sabrina Begović, Naida Begović, Hasiba Begović, Sulejman Begović

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