Kommunikation

Donnerstag, 11. Januar 2007

Politisches Reden (5)

Politisches Reden sinnt auf die Unterstützung der Psychologie. Das ist verdeckte Ausdruckweise und meint im Klartext: pR arbeitet mit Tricks. Ein sehr alter Trick ist das Inszenieren des Von-oben-herab-Redens. Man sieht das manchmal in Krimis, wenn der Ältere den jüngeren Partner einfach mit Vornamen und „Du“ anredet. Das schafft hierarchisches Gefälle und ermöglicht es dem Älteren, der seine Vorherrschaft aufrechterhalten will, sich so manches herauszunehmen. Aufgrund des Gefälles ist manche Gegenwehr des Jüngeren bereits im Keim erstickt.

Mittwoch, 10. Januar 2007

Politisches Reden (4)

Wer reaktionsschnell und gut zu Fuß unter der Nase ist, hat Vorteile beim „politischen Reden“. Es gibt Leute, die stoßen Worte wie Maschinengewehrsalven aus. Man muss selber (a) reaktionsschnell und schlagfertig sein, und (b) es verstehen, sehr flink in Deckung zu gehen, um bei solch einem Gegner zu bestehen.

Dienstag, 9. Januar 2007

Politisches Reden (3)

Der Ton macht die Musik. Diese Regel wird allgemein für den täglichen menschlichen Umgang zitiert.

Zu Recht. Denn für das politische Reden (der Einfachheit halber werde ich es künftig alternativ pR – am Satzanfang entsprechend PR – nennen) zählt diese Regel nicht und gleichzeitig eben doch. Sie zählt nicht: Wer „politisch“ redet, findet es alles andere als unanständig, in vorwurfsvollem, aggressivem Ton zu reden. Im Gegenteil: Je härter die Stimme, je angriffslustiger der Ton, desto angemessener. Eben viel Feind, viel Ehr’. Wer politisch redet, nimmt den Verlust an gutem Ton im Umgang miteinander in Kauf.

Genau auf diesen „Ehrenkodex“ zielt die zweite Bedeutung: Der Ton macht die Musik zählt beim politischen Reden eben doch, nur im umgekehrten Sinn. Da es beim pR ja nicht auf soziales Miteinander, sondern auf die Demonstration von Stärke ankommt, zählt gerade die Fähigkeit, möglichst viel Härte in die Kommunikation zu legen. „Guter Ton“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung – gerade wie in Diktaturen, die ja viel von Freiheit und Menschenrechten faseln. Ein guter Ton im Sinne des pR ist eine möglichst harte Intonation. Wer politisch redet, nimmt den Verlust an gutem Ton im Umgang miteinander nicht nur in Kauf, sondern strebt ihn regelrecht an, wann immer er eigenen Nutzen daraus ziehen kann.

Eine besondere Spielart und Finesse dieser Art des pR: In der beschriebenen Tonart und Inszenierung „bitte“ zu sagen. Unwiderstehlich!

Montag, 1. Januar 2007

Politisches Reden (2)

Eine wirksame Waffe politischer Streitkultur besteht darin, dass man streitet, ohne es formal zu tun. Ein Streit ist i.a.R. davon gekennzeichnet, dass zwei oder mehr Gegner einander widersprechende Aussagen machen und sich dabei argumentativ gegenseitig zu übertrumpfen suchen. In den allermeisten Fällen ist Emotion dabei im Spiel, die sich bis zu Wutausbrüchen, in schlimmen Fällen auch zur Gewaltanwendung (Prügelei o.ä.) steigern kann. Dass Emotionen evident sind, zeigen politische Debatten, in denen Argumente eigentlich die schärferen Waffen sind, Emotionen trotzdem häufig vorkommen.

Wie im Kursteil I beschrieben, ist es wirkungsvoll, wenn du gleichzeitig eine Sache und ihr Gegenteil behauptest (Doppelzüngigkeit ist eine schöne Beschreibung dafür), weil du dann bei jedwedem Vorwurf entgegnen kannst, du habest doch das Gegenteil gesagt!

Hier nun tritt das gekonnte nicht-Streiten in Aktion. Du machst deine Behauptung des Nichtbehauptet-Habens nicht etwa im aufgeregten, sondern im ruhigen Ton. Vielleicht fällt dir dabei sogar eine Liebenswürdigkeit an den Meinungsgegner ein, die du wie zufällig einflichtst. Diesem, der schon zum Hochsprung der Antwort „Doch, das haben Sie gesagt!“ (mindestens eine Quint über dem normalen Umgangston) und dem Flicflac eines wortwörtlichen Zitates deiner Aussage angesetzt hat, bleibt die Luft weg.

Er hat eigentlich nur noch zwei Chancen, die beide keine sind: Entweder er ist so verwirrt, dass er gar nicht mehr zielgerichtet reden oder handeln kann – er wird irgendeine sinnlose Übersprungshandlung zeigen. Oder er hat schon zum Sprung des offenen Vorwurfs angesetzt und kann nicht mehr zurück: Er wird damit im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft hängen, was die unweigerliche Folge eines deftigen auf-die-Nase-Fallens nach sich zieht. 200 Punkte für dich!

Sonntag, 31. Dezember 2006

Politisches Reden (1)

Sage einen Satz über einen Menschen, der ihn in schlechtem Licht darstellt, alternativ: der deine eigene schlechte Meinung über ihn offen ausspricht. Mache einen Punkt, hole tief Luft und behaupte in einem weiteren Satz etwas Positives über dieselbe Person, das inhaltlich vage mit dem Thema des ersten Satzes zu tun hat. Achte dabei auf Finessen wie wortreiche Zusätze, Fremdworte und dergleichen.

Die eigentliche Abwehrstrategie aber besteht in der Formulierung von Kausalanschlüssen („weil ...“), Gegensätzen („obwohl ...“) und anderen Nebensätzen. Eine Verschachtelung von drei bis fünf solcher Relativierungen dürfte im Normalfall ausreichen.

Folge: Du kannst das Heikelste über einen Gegner, einen Vorgesetzten oder eine Person des öffentlichen Interesses sagen. Würde jemand auf die Idee kommen, dir das zum Vorwurf zu machen, steht dir als erste Abwehrmaßnahme die ganze Raffinesse des einfachen Ableugnens zu Gebote: Wer etwas behauptet, du habest das aber doch gesagt, muss das erst einmal beweisen. Sollte es dann doch etwas brenzlig werden, fällt das Netz des „mit-der-Wahrheit-Lügens“ auf die Feinde und verstrickt sie in die Tiefen der Widersprüche. Nein, nicht der Widersprüche der Aussagen deiner Feinde, das wäre viel zu plump. Die immanenten Gegensätze deiner eigenen Aussagen sind so fein gesponnen, dass du zu jedem Satz, der jemandem missfallen könnte, mit Unschuldsmiene und engelhaftem Augenaufschlag behaupten kannst: „Ich habe das genaue Gegenteil gesagt!“ 100 Punkte für dich!

Donnerstag, 28. Dezember 2006

Nebulös

Nachtrag zum Nebel in London kurz vor den Feiertagen. Ich machte mir Notizen darüber, kam aber nicht dazu, sie in mein Blog zu stellen.

Solche Vorkommnisse wie die mit dem Nebelchaos in London wundern mich immer wieder. Flugzeuge können noch starten und landen, müssen aber aus Sicherheitsgründen größere Abstände einhalten. Dies führt zu Wartezeiten und nachfolgend zu Staus. Das leuchtet ein.

Was nicht einleuchtet, ist die Größe des Durcheinanders und die Menge der Menschen, die tagelang auf dem Flughafen warten müssen.

Man könnte es vergleichen mit Nebel auf der Autobahn: Die Autos können noch fahren, aber langsamer – so gibt es Stau. Nur sitzen in Autos lauter Individuen, die zudem nicht für Extremsituationen geschult sind; jeder fällt seine Fahrentscheidung für sich allein. Den Verkehr auf einem Fughafen regeln aber nicht Laien, die bloß einen Führerschein haben, sondern gut ausgebildete Spezialisten, und Nebel gibt es nicht zum ersten Mal in London. Man müsste doch bei entsprechender Wetterbeobachtung voraussagen können, dass es Flugverzögerungen gibt. Dann kann man gestaffelte Maßnahmen ergreifen, von der Vorwarnung der Fluggäste bis zum schrittweisen Canceln von Flügen. Es ginge den Leuten besser, wenn sie in Londons Innenstadt in einem Hotel oder Café ein bis drei Tage warten müssten, als wenn sie das nun auf dem Flughafen zu tun gezwungen sind. Ein Fluggast im ZDF-Morgenmagazin: Alle seine Winterkleidung ist auch noch falsch umgeleitet; er sitzt mit Sommerklamotten im Londoner Winternebel und friert.

So mit Kunden umzugehen, dünkt mich wie gut verschleierter Dilettantismus. Und alle tun so, als seien diese Umstände gottgegeben, dabei ist es nur grottenschlechte Kommunikation.

Mittwoch, 27. Dezember 2006

Geschäftsgebaren

Das Berufsleben bringt merkwürdige Stilblüten des menschlichen Miteinanders hervor. Geschäftsbeziehungen, die davon geprägt sind, einem möglichen Kunden oder Kooperationspartner, der Geld einbringen könnte, Stärke zu demonstrieren. Alles wird hingebogen, damit es „passt“: Zahlen (aus 100 wird schnell 150, weil das besser klingt), Gesichter (Lächelzwang bis zur Maskerade), Sprache (Smalltalk as smalltalk can) usw. ...

Daneben gibt es auch eingespielte Verhaltensweisen innerhalb des Kollegenkreises. Nachlässigkeiten wie die neulich erwähnte Gedankenlosigkeit gibt es nicht nur im Straßenverkehr, auch unter Kollegen, und fällt bei genauem Hinsehen ebenso als verkappter Egoismus auf. Oder die Eigenheit, auffällig oft von einem älteren Kollegen zu sprechen. Da ist mal von dessen Krankheitsausfällen die Rede oder von anderem. Nach außen wird Fürsorge für den Kollegen wie auf einem Silbertablett herumgetra-gen. Aber subtil der Eindruck erweckt, es werde Zeit, dass der jetzt in Rente geht. Das Fachdeutsch der PR-Branche: „Wie können wir das kommunizieren?“ bekommt hier im Alltag ganz neue Bedeutung: Da versteht es jemand, durch Sprache zu manipulieren. Würde man das Thema offen ansprechen, bekäme man entrüstet zu hören: „Das habe ich nie gesagt!“ Natürlich wurde nie gesagt, es werde Zeit, dass der alte Kollege in Rente geht. Und trotzdem schwebt es im Raum. Es wurde kommuniziert, ohne dass es gesagt wurde.

Missbrauch einer kollegialen Beziehung, Missbrauch der Sprache. Folgen? Man traut der Freundschaft nicht mehr, die mal unter den Kollegen herrschte. Man traut den Aussagen nicht mehr, die gemacht werden. Alles, was gesagt wird, kann noch etwas anderes, Unausgesprochenes bedeuten.

Mittwoch, 13. Dezember 2006

Sex, Wahrheit und Schreibkram

Der Gedanke drängte sich mir auf: Religion und Sex haben sehr ähnliche Eigenschaften. Beides verspricht dem Menschen den Himmel, bringt ihn aber bei Missbrauch in die Hölle. In beiden Lebensgebieten geschieht es besonders krass, dass deformierte, selber unfreie Menschen ihre Umgebung terrorisieren und – so sie die Gelegenheit dazu haben – sich hörig machen.

Das wird etwas klarer, geht man von extremen Positionen aus. Religiöse Extremisten versprechen ihren Anhängern das Paradies. Aber nur, wenn sie (die Anhänger) hübsch bei der Stange bleiben und tun, was man ihnen sagt. Dies tun schon die „milden“ Extremisten, also die, die nicht gegen Gesetze verstoßen, ihre Schutzbefohlenen „nur“ psychisch drangsalieren. Das gilt also nicht nur, wenn körperliche Gewalt angedroht oder ausgeübt wird. Es passiert schon dann, wenn Menschen durch religiöse Mittel psychisch deformiert und missbraucht werden. – Beim Sex tun deformierte, selber unfreie Menschen anderen weh, indem sie entweder das Körperliche verteufeln bis zum Verbot, oder indem sie ihn auf gewalttätige Weise ausüben.

Wie bei allen Formen des Extremen können die Mengen von Tätern und Opfern sich überschneiden. Wer mit Mitteln der Religion unterdrückt wurde, ist in der Gefahr, das mit anderen zu tun, wenn er Gelegenheit dazu bekommt. Wer die Sexualität verteufelt (etwa aus religiösen Gründen, hier überschneiden sich beide Gebiete) wird anderen die Freude daran verderben und ihnen lebenslang Schuldgefühle einbläuen. Oder wird sexuell in verdeckter oder offensichtlicher Weise gewalttätig.

Abhilfe? – Gesetze??
Gesetze können nur die ganz extremen Auswüchse bekämpfen, da, wo es ins Kriminelle geht. Und selbst das wird schwierig: Ich kann einen gewalttätigen Jugendlichen wegschließen, wenn er gegen das Gesetz verstoßen hat. Dann kann er in den Wochen danach nicht gleich wieder jemanden zusammenschlagen. Aber wie erreiche ich, dass er ein wertvolles Glied der Gesellschaft wird? Im Strafvollzug werden die leichten Brüder, also Kleinkriminelle, grade erst zu schweren Jungs. Und die Spirale dreht sich weiter. Wirksame Abhilfe gibt es im Grunde nur durch Persönlichkeiten, die im Gleichgewicht sind und ihre Balance auf ihre Umgebung abstrahlen. (Um so schwerwiegender, wenn Menschen in Machtpositionen, etwa Bankchefs und Aufsichtsräte, selber in moralisch fragwürdiger Weise von Vorgängen profitieren, während im Lande Tausende von Menschen den Arbeitsplatz verlieren. Nur so zum Beispiel. Haben Gesetze und ihre Hüter, die Richter, hier Abhilfe schaffen können?? Man ist sogar versucht zu fragen, ob letztere es ernsthaft WOLLTEN.)

Die Folgen sind jedes Mal besonders fatal, wenn Menschen, die aufgrund ihrer Position in der Lage wären, durch Vorbild statt durch Gesetze Einfluss zu nehmen, nicht nur DAS NICHT tun, sondern das Gegenteil tun.

Übrigens finden sich verwandte Verhaltensweisen und Wirksamkeiten bei der Werbung. Es wird der Himmel versprochen, im Effekt aber die Hölle serviert. Die Hölle fängt mit der persönlichen Unfreiheit und Konsumabhängigkeit an und führt bis zu gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen (etwa bei Lebensmittelskandalen) und Umweltproblemen (Überfischung).


Sex – Religion – Werbung. Die unbekannten Verwandten.

Montag, 27. November 2006

Wie das Leben so spielt

Ein junger Mann von deutlich unter zwanzig kreuzt mit seinem Fahrrad in waghalsiger Manier den Weg eines anderen Fahrradfahrers, der an Alter mindestens das Zweieinhalbfache zählt. Der Ältere, sofort die Hand an der Bremse, runzelt kurz die Stirn und ruft dann dem Jüngeren hinterher: „Etwas riskant, junger Mann!“ Erhält er überhaupt Antwort? Ja: „Halt’s Maul!“

Schlecht für den Ruf des jungen Mannes, der bei anderer Gelegenheit vielleicht für sich reklamieren würde, Deutsche sollten ihn doch bitte nicht anpöbeln – womit er Recht hätte.

Andere Zeit, anderer Ort. Ein Radler fährt seinen Fahrradweg entlang und kann gerade noch rechtzeitig vor einem älteren Ehepaar anhalten, das die Straße überqueren will und zu diesem Zweck zunächst über den deutlich rot markierten Fahrradweg hinüber muss. Keiner der beiden Senioren hat jedoch auf den Fahrradweg geachtet. Ein Unfall wird vermieden, aber die Bremse quietscht laut, und der alte Mann, sicher 70 Jahre zählend, erschrickt. Er fährt den Fahrradfahrer an, er solle gefälligst aufpassen, außerdem hätte er doch bitte klingeln können. (Der Radler hatte geklingelt.)

Schlecht für den Ruf des alten Mannes, der bei anderer Gelegenheit vielleicht für sich reklamieren würde, Jüngere sollten ihn doch bitte nicht unhöflich behandeln – womit er Recht hätte.

Wie das Leben so spielt: Kurze Zeit, nachdem das veröffentlicht ist, läuft mir ein älterer Herr fast ins Fahrrad – vor dem Überqueren des Fahrradweges schaute er weder rechts noch links. Er erkannte mich. Fünf Minuten netter Plausch über obige Zeitungskolumne, die er gelesen hatte.

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Donnerstag, 23. November 2006

Glück

Wie ein einziger Anruf

einem Wärme geben kann! Vor gut zwei Stunden, kurz bevor ich ins Kino zur Filmbesprechung musste. Glücklich.

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